Knietief im Groove

»Fehlfarben«

„Es geht voran!“ schallt es auch heute noch auf unzähligen NDW-Samplern zwischen allerlei Kommerzmüll. Ironie des Schicksals: Der Song ist der ungeliebteste seiner Schöpfer, der Düsseldorfer Band Fehlfarben. Er landete damals nur auf dem legendären Debutalbum »Monarchie & Alltag«, weil die Plattenfirma die Scheibe schlichtweg zu kurz fand: Seither pflegt die Band ein ambivalentes Verhältnis zu seinem größten Singlehit, wie auch Keyboarder und Saxophonist Frank Fenstermacher im SUBWAY-Interview erzählt:

„Obwohl wir den Song nicht rausbringen wollten und auch nicht mehr spielen, hat er natürlich auch eine Menge Aufmerksamkeit auf die Platte gezogen. ,Keine Atempause, Geschichte wird gemacht’ war ursprünglich ein Slogan aus der Hausbesetzerszene. Dann haben sich aber auch Konservative damit gefeiert was aber überhaupt nichts mehr mit uns zu tun hatte.“ Obwohl »Monarchie & Alltag« erst etwa zwanzig Jahre nach Veröffentlichung Goldstatus erreichte, gilt es als Meilenstein deutschsprachiger Popmusik. Fehlfarben waren aber eher eine „Konglomeratband“ der damals boomenden Düsseldorfer Szene, die Jürgen Teipel unlängst in „Verschwende Deine Jugend“ ausführlich dokumentiert hat. Der Mythos Fehlfarben wurde dadurch genährt, dass die Band in der Originalbesetzung mit Sänger Peter Hein und Fenstermacher nur etwa alle zehn Jahre ein Album veröffentlicht hat. „Ich bin damals nach unserer ersten großen Tour ausgestiegen, weil ich dachte: Wenn das das professionelle Rockgeschäft ist, dann nicht für mich!“, sagt Fenstermacher, der die langen Pausen durchaus positiv sieht: „Dadurch erhält sich eine gewisse Frische und man zitiert sich nicht dauernd selbst.“

Beleg dafür ist das aktuelle Album »Knietief im Dispo«, laut Fenstermacher „eine Platte von Globalisierungsgegnern“: „Grundlegend ist die Wut darüber, dass sich die Verhältnisse immer noch nicht geändert haben und der sogenannte kleine Mann nachwievor beschissen wird.“

Songs wie »Rhein in Flammen« oder »Internationale« lassen Assoziationen an politische Ideale und Enttäuschungen aufkommen. So bietet »Knietief im Dispo« mit ebenso feinsinnigen wie pointierten Beobachtungen den Soundtrack zur Rezession und den Widerspruch zum glatt en Gesellschaftsdiktat. Pessimistisch, groovy, streitbar, aber auf der Höhe der Zeit und ein Muss im regionalen Konzertherbst: Fehlfarben am 15.11. live im Jolly Joker!

text: matthias schröder
foto: wonder

Fehlfarben

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