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Die Türglocke klingelt, ein Kakadu schreit, die Luft riecht nach Vogelfutter und Kleintierspreu. „Haben Sie auch Vogelspinnen?“ Diese Frage hören Ruth und Jürgen Adam drei bis viermal täglich. Aber mit Wünschen dieser Art ist der Kunde bei Zoo Adam im Magniviertel nicht an der richtigen Adresse. „Wir lehnen den Import von Tieren wie Papageien, Vogelspinnen und Schlangen ab. Die sollte man da lassen, wo sie herkommen und nicht in Glaskästen halten“, so Jürgen Adam, der Besitzer des Geschäftes. Vielen Käufern ginge es bei solch extravaganten Wünschen gar nicht um das Tier, sondern vielmehr um Prestige, meint seine Frau Ruth.
Ja, Aufsehen erregt man schon mit einem haarigen Skorpion auf dem Oberschenkel oder einem sprechenden Papagei im Wintergarten zwischen Juckapalme und Benjamin. „So ein Ara fliegt in der Natur täglich 150 bis 200 km bei seiner Futtersuche nach reifen Früchten und hier wird er auf eine Stange gesetzt, angekettet und mit Nüssen und Sonnenblumenkernen gefüttert!“ ärgert sich der Tierfreund. Die Adams bieten deshalb nur Tiere zum Verkauf an, die im Umkreis gezüchtet werden, also Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse und Kanarienvögel. Vom Glück dieser zeugen die Fotos, Geschenke von Kunden, über der Ladentheke: Meerschwein fröhlich vereint mit Karniggelfreund im quietschblauen Plastikbauer. Dabei wären gerade außergewöhnliche Kleintiere vielleicht die Rettung für den Betrieb, denn auch Zoo Adam leidet unter der Supermarktkonkurrenz.
„Wir machen die Drecksarbeit mit den Meerschweinchen und die Käfige holen sich die Kunden im Baumarkt“, so Jürgen Adam. „Die Leute lassen sich natürlich viel beraten, aber kaufen tun sie woanders.“
Aus diesem Grund wird das Ehepaar wohl die letzte Generation sein, die die Zoohandlung führt. Dabei müsste der Familienbetrieb mit seiner kuriosen Entstehungsgeschichte schon fast unter Denkmalschutz stehen, denn angefangen hat alles mit einer Waldvogelfang-station von Freunden der Großeltern in Jugoslawien. Georg Brand, der Großvater des heutigen Inhabers zog dann selbst in einer Brutstation in der Wabestraße Küken auf, importierte Waldvögel aus Ungarn oder fing sie sogar persönlich mit Netzen und Leinenruten ein.
Der Zooladen wurde dann 1933 von ihm im Magnitorbogen gegründet. Die zweite Generation mit Jürgen Adams Mutter zog 1953 in den jetzigen Standort am Ackerhof um. Seit 1980 führt ihr Sohn mit seiner Frau den Laden, man hat sich mittlerweile auf Aquaristik, Angelgeräte und Gartenteichgeräte spezialisiert. Während Herr Adam Schwimmer und Posen verkauft, kreischt im Hinterzimmer Koko, der Kakadu. Der Vogel mit der gelben Föhnfrisur watschelt vom linken auf das rechte Bein und wieder zurück, doch er ist nur zu Besuch im Zooladen, zur Pflegekur. Früher nannte das Paar selbst einen Kakadu ihr Eigen, doch dann brannte 1979 das Geschäft aus und die Papageien erstickten im Schwelbrand. Seitdem zwitschern nur noch Wellensittiche und Kanarienvögel in ihren Käfigen.
Die Gefahr des „Käfigklaps“ gibt es aber nicht, so Ruth Adam, kein Tier bleibt länger als sechs Wochen, dann wird es in der Regel verkauft. Doch auch, wenn zu Saisonzeiten wie Ostern die Käfige leergekauft werden, rechnen die Adams damit, schon bald wieder Findelhasen und heimatlose Kanarienvögel in einem Karton vor ihrer Tür zu finden, denn „Zur Urlaubszeit bekommen die Leute alle eine Haarallergie.“
Heute ist vom alten Glanz leider nicht mehr viel geblieben, wenn auch das Tierfutter immer noch nach dem Rezept der Großeltern gemischt wird. Für die Zukunft hofft man auf mehr Kunden, die den Service und die Tierliebe des Traditionsbetriebes zu schätzen wissen ...
text: janina ilse foto: constantin harazim
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