Man kann versuchen, daran vorbei zu gehen. Man kann auch einfach mit großen Kinderaugen vor dem Schaufenster stehen bleiben und sich von der Magie dieses Sammelsuriums aus Kuriositäten einfangen lassen. Einzeln betrachtet erscheinen die Waren gar nicht so spektakulär, aber im Zusammenspiel kontrastiert ein Ding so sehr mit dem anderen, dass jedes Teil unweigerlich an Bedeutung gewinnt. Könnte man dieses Schaufenster hören, ergäbe es eine schräge Symphonie aus den Sex Pistols, James Last und Kyrie Eleison. Die Rede ist von Hoffmeister An- und Verkauf im Magniviertel, Oelschlägern 26. Ein Haus, welches so aussieht wie es sich gehört, um im Magniviertel zu stehen; mit schönen, verzierten Dachgiebeln und einer Tafel, auf der zu lesen ist, dass es bereits im Jahre 1449 zum ersten Mal erbaut wurde. Geradezu prädestiniert also, um neben grandiosem Kitsch auch schöne, alte Dinge zu beherbergen.
Im Jahre 1920 von Anna und Albert Hoffmeister, den Großeltern der jetzigen Betreiber, eröffnet, wurde der An- und Verkauf einige Jahre später um eine Pfandleihe erweitert;
ein lohnendes Geschäft zu Zeiten der Inflation. Nach dem Tode der Großeltern übernahm G. Hoffmeister d.Ä. im Jahre 1960 das Geschäft, in dem er schon als Kind mitgeholfen hatte. Sein jüngerer Bruder, der den An- und Verkauf heute noch führt, kam 1970 dazu. Befragt nach dem Kundenkreis antworten die Hoffmeister-Brüder einstimmig: „Alle Gesellschaftsschichten und alle Altersgruppen.“
Und das möchte man gern glauben, schaut man sich das Warenangebot genauer an: von Schneekugeln, Puppen, Blechspielzeug über Totenköpfe, Handschellen, Schwerter und Rauchgeräte bis hin zu Madonnenstatuen, Engeln, Kerzenständern und Ölbildern ist mit Sicherheit für jeden etwas Brauchbares dabei. Für den fetteren Geldbeutel gibt es außerdem Silber, Porzellan, Kristall und schönen, alten Schmuck. Ach ja, und dann gibt es noch dieses Schild, das den Kunden auf Spielzeug für Erwachsene (Kondome, Vibratoren etc.) aufmerksam macht, welches im Laden zu erfragen ist. Wenn man dann nach der Betrachtung des Schaufensters noch weiß, wie man heißt oder was man überhaupt wollte, betritt man über eine kleine Treppe nebst Vorraum das Herzstück des Hauses: das Geschäft selbst, das Louvre der kleinen Dinge. Stundenlang kann man hier seine Zeit vertrödeln, daher wohl auch der Name Trödler, und versuchen, das Warenangebot in seiner Gänze zu erfassen. Ein sinnloses Unterfangen, denn das Sortiment wechselt ständig. Abgesehen von den Privatkunden, die Dinge zum Verkauf anbieten, kaufen die Brüder Hoffmeister auch Neuwaren von Firmenauflösungen und Restpostenmärkten; ein Grund dafür, dass die Waren günstig sind. Und ein Grund dafür, warum feilschen in diesem Geschäft nicht lohnt. „Die Preise sind schon so niedrig kalkuliert, dass der Kunde absolut zufrieden sein kann.“
Auf die Frage nach wirklich kuriosen Objekten erzählt G. Hoffmeister d.Ä., dass ein Medizinstudent in den 20er Jahren mal ein echtes menschliches Skelett in die Pfandleihe gebracht habe. Und überhaupt, die Pfandleihe! Zu Nachkriegszeiten hätten Kunden oft montags ihre Sonntagsanzüge dorthin gebracht, um sie freitags wieder abzuholen. Auch eine Idee, um an Bares zu gelangen. Heute ist die Pfandleihe geschlossen. Heute ist es auch weniger problematisch, sich zu finanzieren. Man geht zur Bank und sagt: „Gebt mir 10 Mille!“, und schon bekommt man das Gewünschte. Zumindest wenn man sich dazu noch eine lustige Maske aufsetzt und mit einer Plastikpistole herumfuchtelt. Aber das ist eine andere Geschichte...