Alp-Traumhaus

Österreichische Sketch-Parade im Fiaker-Tempo – „Hinterholz 8“

Eines der witzigsten Fernsehspiele überhaupt war „Einmal im Leben“, die Story des Spießers Semmeling, der ein Eigenheim bauen wollte und dabei von Handwerkern und Banken so grotesk über den Tisch gezogen wurde, daß seine ganze Familie noch vor dem Rohbau fast im Wahnsinn endete. Das Thema also ist nicht neu. Aber lieber von einem Dieter Wedel gut geklaut als selber schlecht erfunden. In seiner österreichischen Heimat jedenfalls, ist die Häuslebauer-Komödie zum erfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten avanciert, selbst „Armageddon“ wurde in den Charts übertrumpft. Der Held heißt Herbert, ein mittlerer Angestellter mit Frau und Kind sowie dem großen Traum vom Eigenheim. Für ein Fertighaus reichen die Finanzen nicht, drum entscheidet sich die Familie Krcal spontan für den Kauf eines alten Häuschen im Dorf Hinterholz. Das Traumhaus-Schnäppchen der Krcals wandelt sich alsbald zum Abbruchhütten-Alptraum. Schon beim Kauf zockt ein bauernschlauer Bürgermeister den naiven Herbert kräftig ab. Als die stolzen Besitzer ihr neues Heim genauer besichtigen, trifft sie sogleich der Schlag – im wörtlichen Sinn, denn die Elektrik ist so spärlich isoliert, daß selbst die Wände unter Strom stehen. Mit viel Elan macht sich der Familienvater unverdrossen an die Do-it-yourself-Renovierung. Doch seine Heimwerker-Versuche enden im Fiasko. Als schließlich der ganze Dachstuhl zusammenbricht, beauftragt er einen Bauunternehmer. Der verspricht billige Hilfe – und verschickt danach eine Wucher-Rechnung. Das Häuschen im Grünen verwandelt sich derweil zunehmend zur Ruine. Als Krcal Junior beim Graben auf Leichenteile stößt, dreht der brave Papa schließlich durch. Schnelligkeit ist im Mozartkugel-Land bekanntlich verpönt, entsprechend gemächlich kommen die Pointen daher. Eine Sketch-Parade im Fiaker-Tempo, eher zum Schmunzeln als zum Lachen: hier ein kleiner Schmäh, dort ein kleiner Wortwitz der zynisch-zartbitteren Art. Im Unterschied zum deutschen TV-Original mangelt’s drastisch an Dramaturgie und plausibler Psychologie. Entsprechend wenig verführen die Figuren aus dem Klischeekabinett zum Mitleiden mit den gebeutelten Helden. Das originellste an dieser Austria-Comedy sind die deutschen Untertitel.

Text: Dieter Oßwald
Foto: Kinowelt
Hinterholz 8

außerdem in SUBWAY 6/99:

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